Warum Pflanzen selbst ziehen?
Wer einmal eigene Pflanzen großgezogen hat, weiß: Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, wenn aus einem kleinen Samen eine kräftige Jungpflanze entsteht. Neben dem emotionalen Faktor bietet die eigene Anzucht aber auch viele praktische Vorteile:
- Du entscheidest selbst, welche Sorten Du anbaust
- Deine Pflanzen sind garantiert frei von chemischen Behandlungen
- Saatgut ist deutlich günstiger als fertige Jungpflanzen
- Du kannst früher in die Gartensaison starten
Tipp: Besonders bei Gemüsesorten lohnt sich die Anzucht, da Du eine größere Sortenauswahl hast als bei vorgezogenen Pflanzen aus dem Handel.

Wenn Du Pflanzen selbst ziehen möchtest, beginnt alles mit der richtigen Aussaat. Du brauchst dabei noch Hilfe? In unserem Ratgeber Pflanzen aussäen erfährst Du Schritt für Schritt, wie Du Dein Saatgut richtig auswählst, wann der beste Aussaatzeitpunkt ist und worauf Du beim Keimen achten solltest. So legst Du die perfekte Grundlage für Deine eigenen gesunden und kräftigen Pflänzchen.
Stecklinge im Wasser ziehen
Neben der klassischen Anzucht aus Samen kannst Du Pflanzen auch ganz einfach über Stecklinge vermehren. Besonders einfach funktioniert das, wenn Du Stecklinge im Wasser ziehen lässt – eine Methode, die sich ideal für Einsteiger eignet.
Dabei schneidest Du einen gesunden Trieb von der Mutterpflanze ab und stellst ihn in ein Gefäß mit Wasser. Wichtig ist, dass sich keine Blätter im Wasser befinden, da sie schnell faulen können.
Diese Methode eignet sich vor allem für:
- Kräuter
- Zimmerpflanzen
- einige Zierpflanzen
Nach einigen Tagen oder Wochen bilden sich erste Wurzeln. Sobald diese gut entwickelt sind, kannst Du den Steckling weiterverwenden.
Stecklinge im Wasser ziehen: Tipps
- Wähle einen hellen Standort, aber ohne direkte Sonne.
- Wechsle das Wasser regelmäßig.
- Setze mehrere Stecklinge gleichzeitig an, um Deine Erfolgschance zu erhöhen.
Vorkultur: Pflanzen frühzeitig vorziehen
Nicht alle Pflanzen kannst Du direkt ins Beet säen. Einige Pflanzen brauchen eine höhere Temperatur zur Keimung und eine längere Entwicklungszeit. Viele wärmeliebende Arten benötigen eine sogenannte Vorkultur, bei der sie zuerst im Haus oder Gewächshaus wachsen. Wenn Du Pflanzen selbst ziehen willst, ist eine Vorkultur vor allem bei diesen Pflanzen sinnvoll:
- Tomaten
- Paprika & Chili
- Auberginen
- Gurken und Zucchini
- viele Kräuter und Sommerblumen
Langsam wachsende Pflanzen (z. B. Paprika, Tomaten, Auberginen, Artischocken) benötigen mindestens 2 Monate Vorkultur. Die Aussaat findet am besten Anfang bis Mitte März statt.
Schnell wachsende Pflanzen (z. B. Zucchini, Gurken, Melonen) brauchen weniger Zeit. Hier ist eine Aussaat ab April ausreichend.
Die jungen Pflänzchen kannst Du dann – je nach Art – ab April oder nach den Eisheiligen (Mitte Mai) in den Garten setzen.
Tipp: Statt in Erde, kannst Du Deine Vorkultur auch in Kokosfasersubstrat aussäen. Die Jungpflanzen züchtest Du später als Wasser- bzw. Hydrokultur heran – statt aus der Erde beziehen die Pflanzen ihre Nährstoffe aus einer besonderen Nährstofflösung. Das bringt viele Vorteile mit sich. Mehr Infos findest Du unter Hydrokultur.
Vorkultur: Schritt für Schritt
Du bist bereit für Deine erste Vorkultur? Folgendes Material brauchst Du damit Du Pflanzen selber ziehen kannst:




Saatschale mit Erde befüllen und beschriften
Achte vor dem Samen Pflanzen darauf, dass die Erde raumtemperiert ist und eine lockere, luftige, leicht durchnässte Struktur hat. Zu trockene Aussaaterde kannst Du mit einem Drucksprüher leicht befeuchten.
Fülle die Aussaat-Schale oder den Topf zu etwa 2/3 mit Erde und drücke sie leicht fest. Beschrifte danach am besten gleich jeden Topf bzw. jede Topfplatte mit einem Pflanzetikett (Art, Sorte und Aussaatdatum).
Samen säen
Verteile jetzt die Samen gleichmäßig und nicht zu dicht. In der Regel 1–3 Samen pro Topfplatte. Lichtkeimer (mit feinen Samen) einfach andrücken, ansonsten gib je nach Kultur 0,5–3 cm Anzuchterde auf die Samen und drücke die Erde dann leicht fest.
Bei größeren Samen, wie Gurken- oder Kürbissamen, kannst Du auch mit dem Pikierstab ein Loch graben, den Samen hineingeben und das Loch danach mit dem Stab schließen.
Grundsätzlich gilt: Den Samen etwa mit der 3-fachen Samenstärke an Erde bedecken.
Aussaat gießen und feucht halten
Gieße den Topf bzw. die Topfplatte vorsichtig mit einer kleinen Gießkanne oder besprühe sie mit einem Drucksprühgerät. Danach die Erde immer feucht halten. Am besten geht das in einem Zimmertreibhaus oder wenn Du Plastikfolie über die Topfplatten stülpst. So kommen auch keine Trauermücken in die Erde.
Lüfte mindestens 1x täglich, damit sich keine Fäulnis- oder Bodenpilze bilden. Halte die optimale Keimtemperatur so weit es geht immer ein.
Pflanzen nach der Keimung pflegen
Wenn die meisten Pflanzen gekeimt sind, entferne die Plastikfolie. Du kannst die Schalen und Töpfe nun etwas kühler stellen (um die 15 °C), damit die Pflanzen kompakt bleiben. Achte darauf, dass die Jungpflanzen genug Licht abbekommen.
Spätestens wenn die Keimlinge neben den Keimblättern die ersten echten Blätter gebildet haben, sollten sie in größere Töpfe oder Platten umgesetzt („pikiert") werden.
Jungpflanzen pikieren
Sobald Deine Jungpflanze kräftig genug ist, musst Du sie verpflanzen. Das nennt man auch pikieren oder vereinzeln. Pikieren ist für Anfänger eine knifflige Arbeit, da die dünnen Jungpflanzen sehr leicht knicken. Nimm Dir also ruhig Zeit und gehe so vor:
- Heble die Pflanze vorsichtig mit einem Pikierstab oder Buttermesser aus der Anzuchtschale heraus. Auf keinen Fall stark ziehen!
- Lege die Jungpflanze kurz ab.
- Grabe in einem kleinen Topf mit Anzuchterde mit dem Pikierstab ein kleines Loch.
- Setze die Pflanze in das Loch hinein. Die Wurzeln müssen vollständig unter der Erde sein.
- Schaufle das Loch mit dem Pikierstab zu und drücke danach sanft auf die Erde.

Pflegetipps für die Anzucht
Während der Anzucht entscheidet sich, wie kräftig und stabil Deine Pflanzen später werden. Mit der richtigen Pflege schaffst Du optimale Bedingungen für ein gesundes Wachstum. In dieser Tabelle findest Du die wichtigsten Pflegetipps für die Anzucht auf einen Blick:
| Licht |
|
|---|---|
| Temperatur |
|
| Feuchtigkeit |
|
| Luft und Abstand |
|
Jungpflanzen abhärten und schützen
Jungpflanzen aus der Vorkultur kannst Du langsam ans Freie gewöhnen. Stelle sie an wärmeren Tagen (ab 10 °C) für einige Stunden raus. Anfangs vertragen die Pflänzchen nur kurz direkte Sonneneinstrahlung.
Vorgezogene Salate, Mangold und Kohlgewächse kannst Du ab April im Gemüsegarten auspflanzen, wenn nur noch leichter Frost zu erwarten ist. Schütze sie aber mit einem Gartenvlies. Es hält auch Schädlinge wie Erdflöhe fern und beschleunigt das Wachstum. Das gilt genauso für Frühbeete oder Hochbeete mit Frühbeethaube.
Frostempfindliche Arten, z. B. Fruchtgemüse, kannst Du ab Mitte Mai nach den Eisheiligen ins Beet pflanzen.
Keimlinge und Jungpflanzen wirken wie ein Magnet auf Nacktschnecken. Dagegen kannst Du Schneckenkorn streuen, musst es aber nach stärkerem Regen neu streuen.
Sicherer sind Schneckenzäune: Werden sie bereits beim Anlegen des Beetes gezogen (vorher auf Eiablage von Schnecken kontrollieren), halten sie die Schnecken dauerhaft fern. Eine mobile Alternative sind Pflanzenhüte, die frisch eingesetzte Jungpflanzen schützen.
Pflanzen selbst ziehen: häufige Probleme
Wenn Deine Keimlinge eingehen, könnte das z. B. an Staunässe liegen. Überprüfe auch, ob Deine Pflänzchen zu dicht stehen oder eine schlechte Luftzufuhr haben.
Wenn Du an Deinen Keimlingen Schimmel oder Trauermücken findest, liegt das wahrscheinlich an zu hoher Feuchtigkeit. Also sparsamer gießen und regelmäßig lüften.
Deine Pflanzen wachsen unterschiedlich stark? Das könnte an einer ungleichmäßigen Aussaat liegen oder daran, dass Du die Pflanzen zu dicht aneinander gesetzt hast.
Also: Unbedingt gleichmäßig säen und die Pflanzen rechtzeitig vereinzeln.
Gründe für kleine oder verfärbte Blätter können Lichtmangel, die falsche Temperatur oder die falsche Erde sein. Prüfe also den Standort Deiner Pflanzen und achte auf
gesunde, lockere Anzuchterde.
Pflanzen selbst ziehen: häufige Fragen
Bei der Direktsaat werden die Samen direkt ins Beet gesät. Mit einer Vorkultur werden die Samen erst im Haus oder Gewächshaus vorgezogen und später ins Beet gepflanzt.






















