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Ratgeber

Bonsai pflegen

Lesezeit 24 min.
Bonsai zuechten

Wörtlich übersetzt bedeutet „Bon-sai“ so viel wie „gepflanzt in eine Schale“. Klingt erstmal unspektakulär. Allerdings steckt dahinter nichts Geringeres als eine faszinierende Kunstform, die gärtnerische Techniken und asiatische Ästhetik auf einzigartige Weise vereint.

Einige Grundprinzipien der Bonsai-Pflege erfährst Du hier.

Welcher ist der Richtige für mich?

In unseren Breitengraden sind die kultigen, kleinen Bäume spätestens seit dem Film „Karate Kid" bekannt, in dem Mister Miyagi sich hingebungsvoll um seinen Bonsai kümmert. China gilt als Ursprungsland der Mini-Bäume in Schalen. Im 10. und 11. Jahrhundert brachten buddhistische Mönche den Bonsai nach Japan.

Die Miniaturbäume sind eine Wissenschaft für sich. Es gibt sie in vielen Wuchs- und Charakterformen, z. B. mit kerzengeraden Stämmchen, windschiefer Krone oder mit beeindruckenden, ausgebreiteten Wurzeln. Beschäftige Dich mit dem Thema, bevor Du Dir einen Bonsai zulegst. Es gibt viele Bonsaiarten mit unterschiedlichen Pflegeansprüchen.

Wir haben Dir hier grundlegende Pflegetipps zusammengestellt als Einstieg in diese faszinierende Welt der Mini-Bäume. Bei der Auswahl Deines Bonsais solltest Du einiges beachten.

Das richtige Klima

Manche Arten brauchen einen Temperaturabfall, um in die Ruhephase einzutreten und sich regenerieren zu können. Andere sterben bei Frost den Kältetod. Bevor Du eine Art auswählst, solltest Du bedenken, ob sie sich in Deinem Klima wohlfühlt. Relevant ist auch, ob Du sie im Garten oder im Haus halten möchtest. In unseren Breiten fühlen sich Arten wie Ulmen, Fichten und der japanische Ahorn wohl.

Beachte

Bonsais verhalten sich wie ihre großen Artgenossen. Dementsprechend gibt es auch hier laubabwerfende und immergrüne Exemplare.

Der richtige Standort

Drinnen oder draußen? Es gilt: Drinnen ist es generell etwas trockener und nicht so hell wie im Freien. Deshalb eignen sich nicht alle Arten für jeden Standort.

  • Drinnen kannst Du Benjamini, Junischnee oder die Gardenie halten.
  • Ahorn, Buche, Zeder und Ulme stehen gern im Freien.

Die richtige Größe

Klar, ein Bonsai ist klein. Aber auch "klein" kann man weit fassen. Die meisten Bonsaibäume bewegen sich in einer Höhe zwischen 15 und 90 cm. Die Größe beeinflusst nicht nur Wasser- und Lichtbedarf, sondern auch die Größe der Pflanzschale, was letztlich den Platz bestimmt, den sie einnimmt.

Und nicht zu vergessen: Die Größe wirkt sich auch auf die Zeit aus, die Du für die Pflege rechnen musst. Denn an größeren Bäumen gibt es natürlich auch mehr zu schneiden.

Geeignete Bonsais
Für Einsteiger eignen sich besonders pflegeleichte Arten wie Kriechwacholder oder Pfennigbaum.

Weitere typische Bonsaiarten sind:

  • bonsaiart chinafeige

    Ficus retusa (Chinafeige)

    • Standort: Eigentlich ein Zimmerbonsai, im Sommer kann er aber auch mal draußen stehen, wenn die Temperaturen nicht unter 15°C fallen. An jedem Standort braucht er viel Licht.
    • Pflege: Dieser Bonsai ist sehr pflegeleicht. Er kann ganz normal gegossen werden, toleriert aber auch mal zu viel oder zu wenig Wasser. Die Blätter solltest Du täglich besprühen und die Pflanze jedes zweite Frühjahr umtopfen. Der Ficus retusa ist sehr schnittverträglich und lässt sich super drahten, weil die Ästchen sehr elastisch sind.
    • Besonderheit: Zwei Pflanzenteile, die sich mit Druck berühren, verschmelzen miteinander. Daraus können sich interessante Strukturen bilden.

  • bonsaiart wacholder

    Wacholder

    • Standort: Der Wacholder gedeiht nur draußen bis -10°C. Wenn es kälter ist, solltest Du in einpacken. Als Forstschutzmechanismus verfärbt sich bei manche Arten das Laub lila-brauen, wird aber im Frühling wieder grün.
    • Pflege: Lieber zu wenig als zu viel gießen. Vor allem nach dem Umtopfen (in jedem zweiten Jahr) regelmäßig mit Wasser besprühen. Zupfe die Triebe, die aus der Form ragen, mit den Fingern ab und dünn' die Laubpolster aus, damit sie nicht zu dicht werden. Ansonsten kann man den Wacholder ganz normal in der Ruhephase schneiden.
    • Besonderheit: Es gibt Wacholder-Arten mit schuppigem oder nadelförmigem Laub. Das schuppige Laub wird nadelförmig, wenn die Pflanze unter Stress steht. Es entwickelt sich aber auch wieder zurück, wenn sie sich erholt hat. Wacholder eignet sich übrigens hervorragend zur Totholzgestaltung.

  • bonsaiart kiefer

    Kiefer (Pinus)

    • Standort: Kiefern bevorzugen einen vollsonnigen Standort. Dann bleiben ihre Nadeln kurz. Bei wenig Licht werden die Nadeln besonders lang. Frei gepflanzt ist die Fiefer winterhart, aber im Topf muss sie über Winter geschützt werden.
    • Pflege: Nicht zu viel, aber regelmäßig gießen. Staunässe unbedingt vermeiden. Schütze die Kiefer vor übermäßigem Regen, vor allem während des zweiten Austriebs. Sonst werden die Nadeln unnötig lang.
    • Besonderheit: Es gibt Kieferarten mit ein und zwei Austrieben pro Jahr. Das kommt daher, dass der Wind häufig ihre Kerzen abbricht und sie deshalb noch einen zweiten Austrieb produzieren.

  • bonsaiart fichte

    Fichte

    • Standort: Die Fichte ist typisch für kalte Klimazonen und bevorzugt einen kühlen Boden, aber extreme Kälte oder Hitze verträgt sie schlecht. Stelle sie deshalb nicht direkt in die Sonne und schütze sie im Winter vor Frost.
    • Pflege: Im Sommer kannst Du die Fichte gerne tauchen und dann an- aber nicht durchtrocknen lassen. Das sorgt auch für eine gute Durchlüftung des Bodens. Zusätzlich solltest Du gerade in Hitzeperioden die Blätter häufig einsprühen.
    • Besonderheiten: Die Fichte ist immergrün und typisch für sie ist die Pyramidenform ihrer Krone. Die besteht aus vielen dicken Ästen, die recht dicht stehen.

  • bonsaiart ulme

    Chinesische Ulme (Ulmus parvifolia)

    Standort: Der ideale Standort für die chinesische Ulme liegt in der Sonne oder im Halbschatten. Bei mildem Klima kann sie im Winter draußen bleiben, muss aber eingepackt werden. Eine Überwinterung bei 0 bis 10 C° ist ideal – egal ob im Haus oder draußen.

    Pflege: Krätiges Gießen ist für die Ulme wichtig. Sobald die Erde trocken ist, kannst Du wieder kräftig wässern. Trotzdem darf keine Staunässe entstehen und die Erde sollte nicht zu lange trocken sein. Auch eine ausreichende Düngerzufuhr ist wichtig, vor allem in der Wachstumsphase.

    Besonderheit: Achte darauf, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu gering ist, denn dann kommt es häufig zu einem Befall durch Spinnmilben und Schildläusen.

  • bonsaiart geldbaum

    Dickblatt (Crassula ovata)

    Standort: Eignet sich gut als Zimmerpflanze. Einfach einen hellen Platz auf der Fensterbank suchen. Dreh die Pflanze aber regelmäßig weil sie sich schnell der Sonne zuwendet. Im Sommer kannst Du das Dickblatt auch nach draußen stellen. Er muss aber auf jeden Fall vor dem ersten Frost nach drinnen.

    Pflege: Das Dickblatt wird in großen Abständen aber dann durchdringend gegossen. Er ist nämlich an das Leben in trockenen Bereichen gewöhnt. Bevor Du wieder gießt, muss die Erde gut trocknen. Staunässe ist nämlich gar nicht gut.

    Besonderheiten: Das Dickblatt wächst von Natur aus sehr symmetrisch. Für die gewünschte Form überflüssige Äste musst Du herausschneiden. Aber Vorsicht: sie wachsen nicht mehr nach.

  • bonsaiart japanischer ahorn

    Japanischer Fächerahorn (Acer palmatum)

    Standort: Der Fächerahorn mag es zwar sonnig aber in der Mittagshitze sollte er doch etwas Schatten abbekommen, sonst können die Blätter Schaden nehmen. Er kann auch im Winter draußen bleiben aber, wenn die Temperaturen unter -10 C° sinken, solltest Du ihn schützen.

    Pflege: In der Wachstumssaison braucht der Bonsai viel Wasser. Tägliches Gießen ist Pflicht. Wenn es besonders heiß ist sogar zweimal am Tag. Das Gießwasser sollte nicht zu kalkhaltig sein, denn der Ahorn bevorzugt neutralen bis leicht sauren Boden.

    Besonderheit: Bei jungen Bäumen ist die Rinde zunächst grün oder leicht rötlich. Mit dem Alter färbt sie sich hellgrau oder graubraun.

  • bonsaiart eiche

    Eiche (Quercus)

    Standort: Volle Sonne ist in der Wachstumsphase super für die Eiche. Der Standort sollte auch luftig sein. Für den Winter ist ein frostfreier Raum wichtig, denn im Topf kann die Eiche nicht draußen überwintern.

    Pflege: Trockene Erde ist genauso schlecht wie ständige Nässe – also ein kleiner Balanceakt um die richtige Bewässerung zu treffen. Im Wachstum solltest Du einmal die Woche düngen aber mit wenig Stickstoff, denn der bringt eine größere Anfälligkeit für Schädlinge mit sich.

    Besonderheiten: Eichen werden oft von Mehltau befallen. Mit einer Mischung aus Backpulver, Rapsöl, Spülmittel und Wasser kannst Du ihn bekämpfen.

von

Bonsai züchten

Das ist was für richtige Profis. Einsteiger sollten lieber auf vorgezüchtete bzw. vorgeformte Bäume zurückgreifen. Der Begriff "züchten" ist hier eigentlich falsch, denn Bonsais sind keine spezielle Züchtung, sondern besonders geformte, herkömmliche Baumarten.

Grundsätzlich kannst Du aus jedem Baum einen Bonsai formen.

Wähle hierzu eine Baumart mit guter Schnittverträglichkeit, denn das Bäumchen muss regelmäßig geschnitten werden, um in Form zu blieben. Ficus-Arten wie der Pfennigbaum und Sukkulenten wie der Jadebaum eignen sich gut als erste Bonsais, weil sie pflegeleicht sind.

bonsai zuechten

Wie zieht man einen Bonsai?

  • Willst Du von Anfang an dabei sein? Dann sammle oder kaufe ein paar Samen und bring sie zum Keimen.
  • Alternativ kannst Du ein kleines Bäumchen im Gartencenter holen.
  • Entscheidest Du Dich dafür, hautnah die Entstehung Deines Bonsais zu verfolgen, dann lass ihn ein paar Jahre wachsen, bis er ein gutes Wurzelsystem und einen dicken Stamm ausgebildet hat.
  • Beim ersten Schnitt lässt Du die Äste stehen, die später die Krone bilden sollen. Die anderen entfernst Du mit scharfem Werkzeug.
  • Setz den Baum dann in eine flache Schale: Dünn' dabei die Wurzeln aus, behalte vor allem die feinen waagrechten. Der Baum kann jetzt nicht mehr genug Nährstoffe aufnehmen und wird so in seinem Wachstum gehemmt.
  • Mit der Zeit passen sich die Blatt- und Baumgrößen an die Gegebenheiten an: Dein Baum wird zum Bonsai.

Tipp

Du kannst das Bäumchen mit Draht in der Pflanzschale befestigen, falls es nicht sofort felsenfest steht.

Bonsai richtig pflegen

bonsai pflegen

Die richtige Erde für Bonsais

Normale Blumenerde ist für Bonsais nicht geeignet. Sie ist nicht wasserdurchlässig genug, zu dicht und zu stark gedüngt. Bonsaierde hingegen ist wasser- und luftdurchlässig. Sie klumpt nicht und ist dauerhaft körnig, sodass sie das Wasser zwar speichert, aber gleichzeitig die Drainage nicht behindert. Das beugt der Wurzelfäule vor.

In der klassischen japanischen Bonsaikunst wird meist Akadama-Erde verwendet. Sie besteht aus japanischem Lehmgarnulat, das aus Vulkanasche entstand und durch seine Porösität und Grobkörnigkeit optimale Wasserspeicher- und Drainageeigenschaften hat.

Akadama-Erde gibt es in zwei Qualitätsstufen: Die Akadama-Erde für Bonsais wurde bei 600-900°C gebrannt, sodass sie bei Frost nicht zu wasserundurchlässigem Lehm zerfällt. Die ungebrannte Erde wird oft zur Herstellung von "normaler" Blumenerde benutzt.

Handelt es sich bei dem Bonsai um einen Rhododendron oder eine Akazie, sollte zusätzlich Moorbeeterde zugefügt werden.

Der richtige Standort für Deinen Bonsai

Bonsais mögen Sonne und auch Wind – die meisten Arten mögen's hell und luftig. Du kannst sie drinnen und draußen aufstellen. Heimische Arten können auch im Winter draußen stehen, sollten dann durch eine Styroporplatte vor Bodenforst geschützt werden.

Subtropische und tropische Arten solltest Du drinnen überwintern: Subtropische Pflanzen in unbeheizten Räumen bei ca. 5-10°C, tropische bei Zimmertemperatur. Sobald es keinen Frost mehr gibt, können die (sub)tropischen Pflanzen wieder in den Garten.

Grundsätzlich haben die Mini-Bäume die gleichen Standortvorlieben wie ihre großen Verwandten.

Bonsai gießen

Jeder Bonsai hat je nach Standort und Erdsubstrat individuellen „Durst". Richtiges Gießen gelingt nur, wenn Du täglich überprüfst, ob die Bodenfeuchtigkeit in der Bonsaischale noch optimal ist.

  • Ein Bonsai sollte nur dann gegossen werden, wenn die Erde getrocknet ist.
  • Wenn der Bonsai abgetrocknet ist, kann er vorzugsweise mit Regenwasser oder abgestandenem Wasser reichlich gegossen oder hineingetaucht werden.
  • Staunässe oder Austrocknen ist die häufigste Ursache für sterbende Bonsai.
  • Dusch ihn im Sommer morgens ordentlich, sodass Wasser aus den Ablauflöchern des Topfes tritt. Falls er über Tag austrocknet, gieß ihn nochmal.
Aus dem Gießen kann man eine richtige Wissenschaft machen. Lehrlinge der großen Bonsaimeister lernen im ersten Jahr angeblich ausschließlich, richtig zu gießen.

Japanische Bonsaimeister können über die Wasserzufuhr die Blattgröße und die Länge der Nadeln beeinflussen.
Bonsai giessen

Bonsai umtopfen

Bonsais sollten alle 2 Jahre umgetopft werden. Ältere Exemplare in großen Schalen lediglich alle 3-4 Jahre. Ein Indiz, dass es Zeit zum Umtopfen ist: Die Erde nimmt das Gießwasser nicht mehr richtig auf. Jetzt solltest Du die alte Erde unbedingt austauschen.

Zimmerbonsais können ganzjährig umgetopft werden, Freilandbonsais vorzugsweise im Frühling, bevor die ersten Knopsen austreiben. Verwende beim Umtopfen spezielle Bonsaierde und setz nach dem Umtopfen 4-6 Wochen mit dem Düngen aus.

Beim Umtopfen solltest Du auch immer den Wurzelschnitt vornehmen.

Die richtige Pflanzschale für Deinen Bonsai

  • Als Faustregel für die Größe und Tiefe der Pflanzschale gilt:
    Größe = 2/3 x Baumhöhe
    Tiefe ≈ Dicke des Stammes
  • Ist die Baumkrone sehr ausladend, kann es aber allein der Optik wegen schon eine größere Schale sein.
  • Junge Bäume sollten grundsätzlich in etwas größere Schalen gepflanzt werden, damit sich das Wurzelsystem gut ausbilden kann.
  • Ältere Bäumen können in immer kleinere Schalen gesetzt werden, da die Wurzeln beim Umtopfen immer weiter beschnitten werden.

In der neuen Schale solltest Du zunächst eine Drainageschicht anlegen, dann den Baum daraufsetzen und die Bonsaierde in die Wurzelzwischenräume einarbeiten (z.B. mit einem Holzstäbchen). Dichte die Ablauflöcher ggf. mit Netzen ab, damit die Erde nicht ausschwemmt.

Du kannst Deinem Bonsai zu mehr Standfestigkeit verhelfen, indem Du ihn mit Draht fixierst, den Du durch die Ablauflöcher der Schale spannst.

bonsai umtopfen

Bonsai düngen

Allgemein gilt: Bonsais sollten im Frühjahr, wenn die ersten jungen Triebe sprießen, erstmals gedüngt werden. Danach etwa alle 4 Wochen bzw. wie auf der Düngerpackung beschrieben. In den Sommermonaten solltest Du eine Pause einlegen, damit die Triebe aushärten können.

Verwende speziellen Bonsaidünger. Er ist organisch, stickstoffarm und hat genau das richtige Nährstoffverhältnis für Bonsais.

In den ersten vier Wochen nach dem Umtopfen und bei Wurzelschäden solltest Du nicht düngen.

Steht Dein Bonsai ganzjährig draußen, solltest Du ihm im Winter seine Ruhephase gönnen und ihn nicht düngen, damit er im Frühjahr erholt in die Wachstumsphase starten kann.

Bonsai formen: Schneiden und Drahten

Um den Bonsai klein und in Form zu halten oder zu bringen, musst Du ihn regelmäßig schneiden. Entferne aus der Form fallende Triebe und schneide die Spitzen. Durch das Drahten kannst Du die Form und Wuchsrichtung Deines Bonsais genau bestimmen.

Die Schnittmaßnahmen richten sich nach Art des Baumes und Form, die Du erreichen willst. Allgemein gilt:

  • Entferne die Zweige, die der gewünschten Form im Wege stehen.
  • Achte darauf, die Äste möglichst an den Astringen abzutrennen.
  • Wenn Schnittfläche entstehen, die größer als 3-4mm sind, solltest Du sie mit einer speziellen Wundverschlusspaste verschließen oder direkt mit einer Konkavzange arbeiten, so dass die Schnittstellen mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zuwachsen.
  • Entferne zunächst einmal vertrocknete Blätter und dürre Zweige und nimm Dir dann Zeit auszumachen, welche Äste Du abschneiden musst, um den Baum in die gewünschte Form zu bringen.

Beachte

  • Benutz bitte nur scharfe und saubere Scheren oder Schneidewerkzeuge für Deinen Bonsai.
  • Wenn Du die Krone stark zurückschneidest, musst Du auch die Wurzeln zurückschneiden. Warte aber bis der Baum sich erholt hat, damit Du ihm nicht zu viel auf einmal zumutest.
  • Bescheide und drahte den Bonsai niemals gleichzeitig, das ist zu stressig für ihn.

Man unterscheidet zwischen Pflege- und Gestaltungsschnitt:

Gestaltungsschnitt

Die Kunst bei der Bonsai-Gestaltung ist es, ein idealisiertes Abbild der Natur zu erstellen. Ein Bonsai soll also eine perfekte Miniatur seiner Baumart sein. Harmonische Ästhetik und (perfektionierte) Natürlichkeit lauten die Maximen. Der Zwerbaum soll natürlich und zugleich unaufdringlich perfekt wirken.

Den Gestaltungsschnitt führst Du am besten im Früh- oder Spätjahr durch, vor oder nach der Wachstumsphase.

Bei Laubbäumen kürzt Du die zu lang gewordenen Triebe um etwa 3 Augen und entfernst vertrocknete oder störende Zweige. Bring Deinen Bonsai in die gewünschte Form. Im Sommer folgen dann immer wieder kleinere Rückschnitte, die sog. Pflegeschnitte.

gestaltungsschnitt laubbaeume

Bei Nadelbäumen entfernst Du die herausstechenden Nebentriebe und kürzt längere Zweige. Am besten mit Daumen und Zeigefinger abzupfen statt schneiden. Die äußeren Nadelbüschel von bestimmten Seitentrieben kannst Du stehen lassen, damit dichte, wolkenartige Nadelpolster entstehen. Wenn die Poslter zu dicht werden, dünn sie aus. Entferne zusätzlich alle Triebe an der Unterseite eines Astes, damit sich eine halbkreisförmige Shilouette ergibt.

gestaltungsschnitt nadelbaeume

Die Form, die Du Deinem Bonsai verpasst, kannst Du grundsätzlich selbst wählen. In der Bonsaikunst gibt es allerdings ein paar Klassiker:

  • schnittform hokidachi

    Besenform (Hokidachi)
    Charakteristisch ist ein kurzer gerader Stamm, der sich nach oben hin gleichmäßig in eine Kugel- oder Kegelform verzweigt. Für diese Form sind von Natur aus fein verzweigte Laubbaumarten geeignet. Um die Besenform zu erhalten, kannst Du die Krone über Winter, wenn das Laub abgefallen ist, mit einem Band zusammenbinden. Aber Vorsicht! Geh dabei behutsam vor, um die Äste nicht zu verletzen.

  • schnittform fukinagashi

    Windgepeitschte Form (Funkinagashi)
    Der Funkinagashi sieht aus, als hätte der Wind immer aus der gleichen Richtung geblasen und alle Äste auf eine Seite gebogen. Führ' die Äste in die Richtung, in die sich auf der Stamm neigt. Diese Form ist kraftvoll, fast tragisch und wirkt sehr lebendig. Vorbild sind Bäume an Küsten oder in der Steppe, die dem Wind schutzlos ausgesetzt sind.

  • schnittform han kengai

    Kaskadenform (Kengai) und Halbkaskadenform (Han-Kengai)
    Der Baum neigt sich geschwungen über den Schalenrand hinunter wie über eine Klippe. In der Halbkaskadenform neigt er sich dabei nicht unterhalb des Schalenbodens, in der Kaskadenform hingegen schon. Setz den Bonsai daher in eine höhere Schale oder stell ihn auf ein Podest und drahte die Äste nach unten. Die Wurzeln müssen gut ausgebildet sein, damit der der Baum nicht aus der Schale kippt. Besonders eindrucksvoll machen diese Formen horizontale Astpolster. Die Krone kann gerne ungleichmäßig sein.

  • schnittform moyogi

    Frei aufrechte Form (Moyogi)
    Der Stamm verjüngt sich gleichmäßig in einer S-Form nach oben und die Äste entspringen an den Außenseiten der Biegungen. Die Baumspitze liegt idealerweise senkrecht über dem Stammursprung. Die Krone ist ungleichmäßig dreieckig.

  • schnittform chokkan

    Streng aufrechte Form (Chokkan)
    Der Stamm ist kerzengerade und wird nach oben hin schmäler, sodass die Spitze genau über dem Wurzelansatz sitzt. Die ersten Äste wachsen im unteren Drittel und sprießen dann etagenweise bis unter die Spitze. Dabei sollten die einzelnen Ebenen nicht zu eng beieinander sitzen.

  • schnittform shakkan

    Geneigte Form (Shakkan)
    Auch diese Form erweckt den Eindruck, vom Wind zur Seite geneigt worden zu sein, jedoch weniger stark als die windgepeitschte Form. Die Neigung beträgt etwa 60-80°. Die Wurzeln auf der Seite, auf die sich der Stamm neigt, sind schwächer ausgebildet, deshalb sollte der erste Ast auf der gegenüberliegenden Seite wachsen, um ein Gleichgewicht herzustellen.

  • schnittform bunjingi

    Literarten-Form (Bunjingi)
    Der Bonsai hat einen hohen, dünnen und leicht geschwungenen Stamm. Die wenigen Äste mit wenig Laub wachsen am oberen Teil des Stamms. Diese Form kam zu ihrem Namen, weil sie an einen gebeugten und alten Gelehrten erinnert.

  • schnittform sekijoju

    Felsenform (Seki-joju)
    Der Bonsai wächst auf bzw. über einen Felsen, sodass die Wurzeln den Stein eindrucksvoll umschlingen. Da die Wurzeln offen liegen, bilden sie eine besondere Rinde, um sich vor der Sonne zu schützen. Spitzahorn, Hainbuche und Weissdorn sind sehr robust und eignen sich deshalb gut für diese Form.

  • schnittform sokan

    Doppelstammform (Sokan)
    Entweder wachsen zwei Stämme aus einer Wurzel oder ein Ast spriest sehr tief, sodass er aussieht wie ein zweiter Stamm. Der kräftigere Stamm wächst relativ gerade, während der andere etwas geneigt ist. Sie bilden gemeinsam eine Krone und somit eine optische Einheit.

  • schnittform kabudachi

    Mehrfachstammform (Kabudachi)
    Mehrere Stämme entspringen einer Wurzel, wobei alle unterschiedlich hoch und dick sind und doch eine optische Einheit bilden. Der dickste Stamm sollte gleichzeitig der höchste sein.

  • schnittform yose ue

    Wald-Bonsaiform (Yose-ue)
    Mehrere Bonsais stehen in einer Schale und erwecken den Anschein eines älteren Waldes. Das größte und am besten entwickelte Exemplar steht mittig im vorderen Drittel der Schale, die kleineren Bonsai an den Seiten oder im Hintergrund. Die Kronen bilden gemeinsam eine dreieckige Einheit.

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Möchtest Du ein harmonisches Bild erzeugen, halte Dich an folgende Grundregeln:

  • Die Äste im unteren Bereich des Bonsais sollten stärker sein, also die im oberen Bereich. Generell gilt: Die Äste sollten sich zum Ende hin verjüngen.
  • Am schönsten sind gerade oder leicht geschwungene Zweige. Schneide verdrehte oder stark geschwungene Äste ab.
  • Entferne einen Zweig, wenn zwei auf gleicher Höhe wachsen.

Pflegeschnitt

Mit dem Pflegeschnitt erhälst Du übers Jahr die Form Deines Bonsais. Natürlich wachsen Bäume nicht gleichmäßig sondern entwickeln Spitzen und neue Triebe, die aus der Form fallen bzw. wachsen. Die kannst Du getrost abschneiden und auch im Inneren der Krone etwas Luft schaffen. Generell gilt immer: Stärkere Bereiche bremsen und schwache fördern. Der Schnitt regt Dein Bäumchen zum Wachsen an und sorgt dafür, dass die Verzweigungen immer filigraner und der Stamm dicker werden. Die Äste sollten nicht über die Schale hinauswachsen.

Wurzelschnitt

Der Bonsai braucht nicht nur regelmäßig eine frische Friese sondern sollte auch an den Wurzeln gepackt werden. Der Wurzelschnitt gehört aus verschiedenen Gründen genauso zum Pflegeritual wie der Gestaltungs- und Formschnitt:

  1. Bonsaischalen sind sehr klein, sodass die Wurzeln regelmäßig gekürzt werden müssen.
  2. Je größer der Wurzelballen, umso kräftiger treibt die Krone aus. Um den Baum klein zu halten, muss also auch das Wurzelsystem klein gehalten werden.
  3. Der Wurzelschnitt regt die Verzweigung und Verfeinerung der Wurzeln an, sodass trotz kleiner Schale und wenig Substrat ausreichend Nährstoffe aufgenommen werden können.

Wenn Du Deinen Bonsai umtopfst, kannst Du auch gleich das Wurzelsystem bearbeiten und zu kräftige und kranke Wurzeln entfernen:

  • Nimm dazu den Bonsai vorsichtig aus der Erde und entferne die alte Erde mit einer Erdkralle.
  • Lockere den Wurzelballen mit einem Holzstab und kämme die Wurzeln vorsichtig nach außen aus. Falls die Erde stark verdichtet ist, spüle sie mit Wasser aus den Wurzeln.
  • Schneide jetzt die Wurzeln: die dicken stärker als die dünnen. Ein Qualitätsmerkmal von Bonsais sind gleichmäßige, feine Wurzeln. Kürze die Wurzeln etwa um ein Drittel.
  • Achte darauf, dass die Schnittstellen nach unten zeigen und am Ende ein ausgewogenes Bild zwischen Wurzel und dem Rest der Pflanze entsteht. Schneide nach einiger Zeit auch die Baumkrone etwas zurück.

wurzelschnitt

Blattschnitt

Einmal Spitzen scheiden bitte! Du kannst die Blattgröße bei einer großblättrigen Bonsaiart reduzieren, wenn Du die großen Blätter im Frühsommer um die Hälfte kürzt oder ganz abschneidest (Entlaubung). So wird der Baum dazu angeregt, neue, kleinere Blätter zu bilden. Entlaube den Baum aber nur im Abstand von mehreren Jahren und nur, wenn er gesund ist. Düng ihn anschließend erst wieder, wenn die neuen Blätter gewachsen sind.

blattschnitt

Totzholzgestaltung mit „Jin“ und „Shari“

Das ist wirklich nun die Kür bei der Bonsaigestaltung! Totholz verleiht Deinem Bonsai nochmal einen ganz besonderen Charakter. In der Natur entsteht Totholz, wenn Holz nach einen Biltzeinschlag, Dürre oder Astbruch abstirbt. In der Bonsaikunst wird mit Messer und Zange nachgeholfen. Man unterscheidet zwei Formen:

Jin = entrindeter Ast

Jin-Gestaltung:

  • Zieh mit einer Jinzange die Rinde des Asts ab und schneide sie am Astursprung mit einem scharfen Messer ab.
  • Glätte Unebenheiten und Kanten mit der Konkavzange oder Sandpapier.
  • Pinsle den entrindeten Ast mit Jinmittel ein, damit er ausbleicht und vor Infektionen geschützt ist.
Shari = freiliegendes Holz im Stammbereich

Shari-Gestaltung:

  • Zeichne die gewünschte Stelle mit Kreide vor.
  • Entferne erst einen kleinen Streifen der Rinde und vergrößere die Fläche mit der Zeit. Hier brauchst Du etwas Geduld. Für einen Shari solltest Du Deinem Bonsai viel Zeit lassen und die Gestaltung über mehrere Monate oder Jahre vornehmen.
  • Schneide die Rinde mit einem scharfen Messer ein und zieh sie mit einer Jinzange ab.
  • Wenn's Dir gefällt, höhle den Stamm mit einer Konkavzange etwas aus und bepinsle den Shari mit Jinmittel.

totholzgestaltung

Die Totholzgestaltung sollte man nicht unterschätzen. Ein falscher Schnitt und Dein ganzer Bonsai ist hinüber. Im Stammbereich ist schnell eine Saftbahn und somit die Nährstoffversorgung der oberen Äste durchtrennt. Denn es ist nicht einfach, auszumachen, wo sie verlaufen.

Aus diesem Grund solltest Du am besten erstmal an einem nicht so teuren Bonsai oder mit abgeschnittenen Ästen üben.

Im Frühling oder Spätsommer, vor oder nach der Wachstumsphase, kannst Du Dich dann an das gewünschte Exemplar wagen. Beachte, dass sich zur Totholzgestaltung nur immergrüne Arten eignen. Bei Laubbäumen fault das entrindete Holz.

Drahten

Mit einem Draht kannst Du Deinen Bonsai in (fast) jede erdenkliche Form bringen. Dafür braucht es nur ein wenig Geduld.

Umwickle den Ast mit Draht. Beginne immer am Stamm und führe den Draht dann im 45°-Winkel im den Ast. Willst Du ihn nach unten biegen, führ' den Draht von unten her. Willst Du ihn aufwärts biegen, führ' den Draht von oben.

Wenn mehrere Drähte an der gleichen Stelle am Stamm verlaufen, leg sie parallel. Willst Du den ganzen Baum drahten, beginne mit dem Stamm. Du kannst gerne auch zwei ähnlich dicke, nah beieinander liegende Äste mit einem Draht gemeinsam drahten.

Bonsaidraht
Achte darauf, dass Du Aluminiumdraht mit einer Schutzschicht verwendest. Die Drahtstärke sollte etwa ein Drittel des Astdurchmessers betragen. Wenn Du willst, kannst Du auch mit Protektionsband arbeiten. Das wickelst Du vor dem Draht stramm um den Ast, damit er beim Drahten nicht bricht.

Äste in Form biegen
Drahte erst alle Äste, die Du in Form bringen willst, bevor Du sie biegst. Um die Bruchgefahr zu verringern, leg beim Biegen den Daumen an die Innenseite der Biegung und übe dann von der Außenseite vorsichtig Druck aus. Versuche ihn in einem Durchgang zu biegen, denn desto öfter Du ansetzt, umso höher ist die Gefahr, dass Dir der Ast abbricht. Bis die Form sich gefestigt hat, dauert es etwa 3-6 Monate, je nach Dicke des Astes. Du merkst, dass es soweit ist, wenn der Ast sich nicht mehr in die alte Richung bewegt. Lass den Draht nie länger als nötig am Baum.

Draht entfernen
In der Wachstumsphase werden die Äste schnell dicker. Hab also ein Auge darauf, dass der Draht nicht in die Rinde einschneidet, sonst trägt Dein Miniaturbaum hässliche Narben davon. Entferne den Draht rechtzeitig, indem Du ihn an jeder Windung mit einer Zange aufknipst. Beim Versuch, den Draht abzuwickeln, könntest Du die Äste verletzen.

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