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Die eigene Dampflok im Garten

Daniel Bärs ganzer Stolz: seine selbst restaurierte Dampflok.

Holz, Wasser, Dampf. Daniel Bärs Dampflok lebt – und dreht ihre Runden in seinem Garten. Dahinter steckt aber jede Menge Schweiß und Handarbeit.

Lesezeit 4 min.

„Dampflok zu verkaufen, zerlegt in 1000 Teile. Baujahr 1920.“ Nach zwei Jahren weltweiter Suche liest Daniel Bär, damals 32, die lang ersehnte Anzeige im Internet. Als kleiner Junge hatte er die Modelleisenbahn seines Bruders stibitzt, mit den Jahren ist seine Leidenschaft immer größer geworden. Auf seinem rund 3500 Quadratmeter großen Garten in Gößnitz, Thüringen, fahren zu diesem Zeitpunkt bereits neun Lokomotiven, acht Dieselloks, eine Akkulok. Gebraucht gekauft und restauriert. Auf selbst verlegten Schienen, insgesamt 420 Meter lang. Rund fünf Jahre hat er dafür gebraucht. Die Schienen nach und nach erweitert. Eines fehlt ihm noch: eine eigene Dampflok. Die atmet, schnauft und lebt. Klare Sache: Die ausgeschriebene Feldbahn – früher angetrieben mit Torf und Wasser, inzwischen mit Holz aus heimischen Wäldern – ist seine.

Eine Dampflok lebt. Durch Feuer und Wasser entwickelt sich der Dampf, den die Lok beim Arbeiten ausatmet.“

Daniel Bär

Daniel macht sich auf. In die Nähe von Magdeburg, wo der Verkäufer die Lok in mehreren Hallen lagert. Sie stammt aus dem Torfwerk Carl Hornung in Quickborn nahe Hamburg, hatte dort bis 1943 ihren Dienst verrichtet, wurde ausgemustert. Daniel führt zähe Verhandlungen, lässt den Kessel, das Herzstück der Lok, noch vor dem Kauf vom TÜV prüfen. Aber dann: Handschlag, der Deal gilt. Ab nach Hause, mit Lkw und mehreren Pkw voller Lok-Teile.

Tausend Einzelteile

Dann geht’s an die Restaurierung. Gar nicht so einfach. Besonders ohne Baupläne. Daniel recherchiert in historischer Literatur, besucht Museen europaweit und die Schwesterlok – in ähnlicher Weise und Größe gebaut – in Schweden. Merkt: „Einzelne Teile fehlen oder sind verschlissen, aber das kriege ich hin. Irgendwie.“ Daran soll sein Traum nicht scheitern. Daniels Mammutaufgabe: 1000 Bauteile restaurieren – oder neu herstellen, falls sie nicht mehr zu gebrauchen sind.

Von Bremswelle und Bremshebel über sämtliche Armaturen, die Wasser- und Dampfsteuerung regeln, baut er viele Einzelteile in mühevoller Kleinarbeit auf der Werkbank nach. Aus Kupferrohr biegt er neue Leitungen, die alten waren zerknickt. Ersetzt Blechteile, zerlegt Blattfederpakete komplett, sprengt sie auf dem Amboss neu und setzt sie zusammen. Auch den Rahmen muss Daniel vollständig überarbeiten. Ein paar weitere Teile schweißt er neu, dann wird alles gesandstrahlt. Da lässt er Profis ran, damit nichts schiefgeht. Zwischendurch lackiert er diverse Bauteile. Er stellt fest: Die Nieten haben auch schon bessere Tage gesehen. Lässt sie von einem befreundeten Schmiedemeister nach altem Vorbild neu machen und einsetzen. Klarer Plan? Keineswegs. Daniel ist pragmatisch. Repariert, entrostet, ersetzt, was ihm gerade in die Hände fällt.

Zusammenbauen, was zusammengehört

Anders sieht’s beim Wiederaufbau aus. Hier arbeitet er sich vom Fundament, dem Rahmen, nach oben zum Führerhaus. Der Rahmen wird auf Vierkanthölzer gestellt: Hier packen ein paar Freunde mit an, auch bei anderen kniffligen Arbeiten. So klappt’s schneller. In den Rahmen setzt er neu profilierte Räder und die Zylinder ein. Weiter geht’s mit einem neuen Puffer, dem Verbindungsstück, mit dem andere Wagen an die Lok gekoppelt werden. Daniels Entschluss: „Den muss ich neu bauen. Der macht nicht mehr lange mit.“ Doch er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, eins nach dem anderen. Unter den Rahmen setzt er die Tankabdeckung mit den Wassertanks. Dann geht’s ans Herzstück der Lok: den Kessel. Aber auch hier gibt’s Hindernisse: Im Kessel sehen einige Heizrohre nicht so frisch aus. Lieber neue einbauen. Und Wasserdruck messen. Mit vereinten Kräften setzen seine Freunde und er das Führerhaus inklusive Armaturen oben drauf.

Alles einsteigen!

Endlich ist es so weit: Die Dampflok ist fertig. Steht jetzt die Jungfernfahrt an? Noch nicht. Zwar darf man im privaten Garten eine Dampflok ohne Genehmigung navigieren. Doch sicher ist sicher: Daniel legt erst eine Ausbildung als Kesselwärter ab. Aber dann: Er schmeißt Holz in den Kessel, Schweiß läuft ihm von der Stirn. Egal. Er ist stolz. Die Dampflok fährt. Die Nachbarn staunen. Eine Dampflok mitten im Garten. Sachen gibt’s. Und Daniels Sohn? Tritt rund 13 Jahre später in seine Fußstapfen: Der inzwischen 20-Jährige restauriert jetzt seine eigene Dampflok. Baujahr 1944. Aus demselben Werk wie Daniels Dampflok.

Daniel Bärs selbst restaurierte Dampflok dreht ihre Runden.

Daniels Dampflok in Zahlen:

  • Kaufpreis: in Höhe eines Mittelklassewagens
  • Gesamtlänge: 4,65 Meter
  • Leistung: 20 PS
  • Gewicht: 6 Tonnen (inklusive Holz und Wasser)
  • Gesamtlänge der Schienen (inklusive Abstellgleise): knapp 420 Meter
  • Länge der Schienen, auf denen die Dampflok ihre Runde dreht: rund 200 Meter
  • Bauzeit: über elf Monate, rund 800 Stunden

Text: Esther Acason | Fotos: Daniel Bär

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