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Wir machen das mal: Tisch restaurieren

wir machen das tisch restaurieren

Ein fabrikneuer Tisch? Massenware ohne Charakter, findet unsere Autorin.
Und restauriert lieber einen alten Tisch mit Kratzern und Macken.

Lesezeit 7 min.

Schon oft hat unsere Autorin alte Möbel aus Holz bewundert. Und Restauratoren, die das Glück haben, täglich damit zu arbeiten. Doch bewundern allein reicht nicht, findet sie. Selber machen ist angesagt.

Stufe für Stufe komme ich der Werkstatt näher. Ich bin aufgeregt. Es ist das erste mal, dass ich ein Möbelstück restaurieren werde. Nicht im Alleingang, zum Glück. Im dritten Stock eines unscheinbaren Gebäudes in Hamburg-Dulsberg wartet bereits Jana Broxtermann auf mich. Die Restauratorin umgibt in der „Frauenhandwerkstatt“ ein beruhigender Geruch von Holzspänen und frischem Kaffee. Den drückt sie mir in die Hand und nimmt mir sofort alle Nervosität. Sie wird mir zeigen, wie man einen Tisch restauriert – mit der ruhigen Art, mit der sie durch ihre Handwerkskurse führt.

Ich bin mir sicher: am Ende wird da ein Tisch stehen, der wie neu aussieht. Gleich der erste Irrtum, erklärt mir Jana.
Bei der Restaurierung geht es nicht darum, etwas wieder neu zu machen. Im Vordergrund steht, Altes zu bewahren. Gerade das macht eine Restaurierung aus: Zu erhalten und zu zeigen, dass ein Möbelstück gelebt hat. Jana Broxtermann
Sie zeigt mir den Tisch, den wir restaurieren werden: angelehnt an den englischen Stil des 17. bis 18. Jahrhundert, aber ein Nachbau aus den 50er Jahren. Aus Mahagoni-Holz. Die lackierte Oberfläche hat ordentlich Kratzer. Und er steht auf extrem wackeligen Beinen – trotz der vielen Schrauben, die in ihnen stecken.

Die beiden Seiten des Tischs sollten sich eigentlich hoch- und runterklappen lassen, aber die Ausziehtechnik klemmt. Es gibt also viel zu tun. Und Jana warnt mich vor: „Während des Restaurierungsprozesses wird uns noch viel mehr auffallen, was gemacht werden muss, aber das sehen wir dann. Und es kann sein, dass du als Anfänger einige Makel des Tisches erstmal verschlimmbesserst. Ist aber normal. Zusammen kriegen wir das dann hin.“ Kann also nichts schiefgehen. Ans Werk!

Auseinandernehmen

Jana und ich starten mit dem Auseinanderbauen. Geht bestimmt schnell, denke ich. Mit einem einfachen Schraubendreher im Anschlag starte ich in meinen Workshop und merke schnell: mit dem Tisch ist nicht zu spaßen. Ich brauche härteres Werkzeug. Der Tisch hat mehr Einzelteile als ich dachte. Die Schrauben in den Tischbeinen sitzen nicht nur kreuz und quer, sondern auch fest und tief. Der Akkuschrauber muss ran.

Beim Abmontieren der Tischbeine von der Mittelsäule komme ich ins Schwitzen: Der alte Leim sitzt zwischen den Verbindungsenden und den Tischbeinen sitzt, zudem hängen die Dübel verkantet in den Tischbeinen. Sie können nicht ohne sie. Hier ist Muskelkraft gefragt. Von zweien. Dann schraube ich – wieder im Alleingang – die Beschläge von den Tischfüßen ab, wieder mit dem Akkuschrauber. Noch bin ich aber nicht fertig.

Auch die Tischplatten müssen auseinandergebaut und in ihre Einzelteile zerlegt werden. Die Bänder an den Platten sind widerspenstig. Irgendwie hatte ich mir das ganze Auseinanderbauen einfacher vorgestellt – und schneller. Doch wir haben es geschafft. Nach gut drei Stunden.

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Längs und quer schleifen

Ich darf den alten, zerkratzten Lack von der Tischoberfläche abschleifen. Und zum Exzenterschleifer greifen. Einer meiner persönlichen Höhepunkte des Tages. Ich fange mit einer groben 120-Körnung an, bewege den Schleifer gleichmäßig über die Tischplatte, im „Kreuzgang“: Das heißt, ich führe den Schleifer erst längs und dann quer über die Platten. Doch nicht zu fest, sonst schleifen sich Unebenheiten ein. Ich wiederhole das zwei Mal, immer mit einer noch feineren Körnung.

Kurze Verschnaufpause: ich wische mit einem feuchten Lappen über die Tischplatte. „Durch das Wässern richten sich die Holzfasern auf und können nach dem Trocknen weggeschliffen werden“, sagt Jana. Also nochmal schleifen, diesmal von Hand – mit Schleifklotz und Schleifpapier. Auch die Tischkanten sind mit den unterschiedlichen Körnungen dran. Die Tischplatte ist fertig, fehlen noch die beiden aufklappbaren Seiten des Tisches. Also nochmal alles von vorn.

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Die Tischfüße sind eine Herausforderung: Beim Abschleifen der Kanneluren – den feinen vertikal verlaufenden Rillen – ist besonderes Fingerspitzengefühl gefragt. Und Geduld. Meine Stärke, eigentlich. Dass aber das Schleifen so viel Zeit kostet, hätte ich nicht gedacht. In die Rillen kommt der Schleifklotz nicht, dort wird von Hand geschliffen. Auch die größeren Löcher – verursacht durch die Schrauben, die der Vorbesitzer planlos in den Tischfüßen verbohrt hatte – müssen gefüllt werden. Ich begradige die Löcher, indem ich mit dem Bleistift Hilfslinien ziehe und anschließend die Form mit dem Stecheisen aussteche.

Danach bereite ich Flickstücke aus Holz vor. Viel Kleinarbeit. Aber auch die ist irgendwann erledigt und ich kann die Stücke in die Löcher einsetzen und das Holz an den anliegenden Kanneluren nachschnitzen. Sieht ganz gut aus, finde ich. Und Jana auch. Weiter geht’s.

Verleimen

Was ich gerade so mühevoll auseinandergenommen habe, muss jetzt wieder zusammengebracht werden. Das Verleimen der Einzelteile steht an. Bevor ich beginnen kann, muss ich wieder Vorarbeit leisten. Spätestens jetzt merke ich: Für eine Restaurierung muss man sich viel Zeit nehmen. Ich entferne den alten Leim von den Verbindungsenden der Tischbeine, den sogenannten Brüstungsflächen – eine anstrengende Arbeit mit dem Stecheisen. Anlegen, kratzen, schaben. Nachdem der gröbste Alt-Leim entfernt ist, gehe ich wieder meiner neuen Lieblingsbeschäftigung nach: dem Schleifen. Mache die Brüstungsflächen der Tischbeine wieder glatt, bereitet sie für das Leimen vor.

Ich komme doch eigentlich gut voran, oder? Irrtum! Ich muss noch einen abgebrochenen Dübel aus dem Tischfuß ausbohren und einen neuen einsetzen. Und: eine Holzschablone der Tischfüße mit der Stichsäge zurecht schneiden und mit einer dünnen Korkschicht auskleiden. So stellen wir sicher, dass das Mahagoni-Holz beim späteren Verleimen nicht beschädigt wird. Dann erst können wir verleimen.

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Ich bin zu schnell, schon wieder: Erstmal sollen wir unsere Schablonen auf die Tischbeine schieben, sie mit der Schraubzwinge an den Tischfuß spannen und prüfen, ob alles gerade und mittig sitzt. Dann Schraubzwinge ab, Schablonen ab. Jetzt aber! Wir greifen zum Weißleim, tragen ihn auf Tischfuß, Tischsäule und Dübel und in Dübellöcher auf. Schablone rauf, Schraubzwinge fest drehen. 30 Minuten trocknen. Wir nutzen die Zeit, um die Ausziehtechnik unter der Tischplatte zu bearbeiten: wir schleifen an den Reibungspunkten die störenden Flächen ab, um die verklemmten Hölzer wieder problemlos herausziehen zu können.

Drei mal pinseln

Jetzt geht es ans Ölen, um die Maserung des Holzes hervorzuheben. Bevor der Tag zu Ende geht, schwinge ich also den Pinsel und trage das Möbelhartöl gleichmäßig auf Tischplatten und Tischkanten auf. Nach einer Trocknungsphase von circa 30 Minuten wische ich überschüssiges Öl mit einem fusselfreien Lappen ab, immer in Richtung der Maserung, damit das Holz nicht klebrig wird. Jetzt muss alles acht Stunden trocknen.

Der nächste Morgen: ich schleife schon wieder. Diesmal alle Flächen und die Tischfüße per Hand mit feiner Körnung. Und mache mich erneut ans Ölen, diesmal sparsamer. Nach dem Trocknen wieder per Hand nachschleifen und eventuell aufgestellte Fasern glätten. Ich wiederhole noch einmal alles. Und lasse danach das Öl trocknen. Und meinen Schweiß.

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Der Feinschliff

Wer denkt, mit Ölen sei der Tisch fertig restauriert, täuscht sich. Die kleineren Löcher etwa, die noch von den Schrauben in den Tischfüßen übrig sind und nicht mithilfe von Flickstücken repariert werden konnten, müssen gefüllt werden. Dazu verwende ich Weichwachs. Ich trenne ein kleines, erbsengroßes Stück ab, knete es zwischen den Fingern warm und fülle damit die Löcher auf. Am besten geht das mit einem kleinen Spachtel, sagt Jana. Recht hat sie. Und Spaß bringt es auch noch. Auch die Übergänge zwischen Flickstück und Kanneluren werden ausgewachst.

Bleiben noch die Beschläge des Tischs. Von ihrer eigentlich goldenen Farbe ist fast nichts mehr zu erkennen. Ich lege sie in eine Seifenlauge ein und säubere sie mit einer Zahnbürste. Dann bearbeite ich sie eine Spur härter: mit einer Messingbürste. Sie löst die alten abblätternden Lackteile ab. Langsam kann man die ursprüngliche Farbe der Beschläge wieder erkennen. Ein Schmiermittel macht die Rollen wieder rund, ebenso die Bänder.

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Endlich können wir den Tisch wieder zusammensetzen. Wir stellen den Tischfuß und die –beine auf den Boden und überprüfen, ob alles eben steht. Perfekt! Dann richten wir die Beschläge aus und schrauben den Fuß an die Tischplatte. Jetzt sind die Bänder dran: Wir setzen sie auf der Unterseite der Tischplatte ein und schrauben alles fest.

Eine letzte Endkontrolle, ob alles fest sitzt, funktioniert. Alles super, finde ich. Selbst Jana denkt: Unser restaurierter Tisch kann sich sehen lassen. Und das Wichtigste: seine schöne Maserung ist nicht nur erhalten geblieben sie kommt durch die Öl-Intensivkur sogar noch besser zur Geltung. Wir haben das Alte bewahrt. Ganz so wie es bei einer Restaurierung sein soll.

Ich bin stolz auf uns – und habe das Gefühl, ich könnte Bäume ausreißen, nach so viel körperlicher Arbeit. Naja, zumindest kann ich das nächste Möbelstück, das mir über den Weg läuft, ein wenig auf Vordermann bringen. Ansonsten ruf ich Jana an.

Text von Esther Acason / Fotos: Petra Herbert

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