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Grenzen gibt es nur im Kopf

Denny Ertel 1

Seit seiner Geburt lebt Denny Ertel mit einer spastischen Behinderung und Schwerhörigkeit. Das hält ihn nicht davon ab, im Hamburger HORNBACH-Markt zu arbeiten.

Lesezeit 3 min.

Dass HORNBACH einen Markt im Hamburger Stadtteil Eidelstedt baut, erfuhr Denny Ertel damals von seiner Mutter. Sie hatte gehört, das Familienunternehmen und die Hamburger Arbeitsagentur böten Schulungen an, um Arbeitssuchende fit für die Fläche zu machen. „Alter und Aussehen spielen keine Rolle. Für uns zählt allein die Qualifizierung“, verspricht der damalige Marktmanager in einem Zeitungsartikel. Denny Ertel ist zu der Zeit bereits fünf Jahre arbeitslos. Vom Einzelhandel hat der gelernte Bürokaufmann zwar nur eine ungefähre Ahnung, doch er ergreift seine Chance. Die Bewerbung ist schnell geschrieben. Das wird sein Leben verändern. Denn HORNBACH hält Wort: Mehr als die Hälfte der insgesamt rund 120 Stellen im Markt werden mit Arbeitslosen besetzt. Einer von ihnen ist Denny Ertel. Im Herbst 2008 startet er bei HORNBACH. Im Januar 2009 öffnet der Markt.

Für zwei Jahre unterschrieben, seit elf Jahren bei HORNBACH

Im Einstellungsgespräch mit dem Marktmanager reden beide offen darüber, wo der Rollstuhlfahrer im Markt eingesetzt werden kann. „So viele Möglichkeiten habe ich ehrlicherweise nicht gesehen“, erzählt Denny Ertel. „Verkauf war eher nichts für mich, weil ich die Artikel zu wenig kannte. Kasse hätte vielleicht funktioniert, dafür hätte sie aber umgebaut werden müssen.“ Angefangen hat er letztlich im Sonderbestellwesen. Zudem kümmerte er sich um die Warenausgabe und ist damit von Anfang an Teil des Logistikteams im Markt. Ein Rollstuhlfahrer in der Logistik? Denny Ertel lacht. „Ich gebe zu, das hatte ich auch nicht auf dem Schirm. Gabelstapler fahren war das Einzige, was mir zu Logistik einfiel.“ Mit HORNBACH einigt er sich zunächst auf einen Zweijahresvertrag. „So konnten wir ausprobieren, ob es funktioniert. Das ist elf Jahre her“, sagt Denny Ertel nicht ohne Stolz.

Wir stehen zueinander. Braucht jemand meine Hilfe, bin ich auch da. Ist doch logisch. Wenn man miteinander redet, geht alles.

Denny Ertel

Braucht jemand seine Hilfe, ist er da

Vor sechs Jahren wechselte er in den Wareneingang, wo er erster Kontakt für Lieferanten ist, sich um die Avisierung kümmert, Reklamationen und Retouren bearbeitet und Pakete für den Postversand fertig macht. Die Strecken im Wareneingang kennt er mittlerweile in- und auswendig. „Ich bin Sportler und spiele seit 30 Jahren Rollstuhlbasketball. Ich bin also ziemlich beweglich“, sagt er und lacht. Und steht doch mal etwas im Weg, räumen es die Kollegen meistens schnell weg. Jeder im Marktteam sei hilfsbereit und freundlich, sagt Denny Ertel. „Wir stehen zueinander. Braucht jemand meine Hilfe, bin ich auch da. Ist doch logisch.“ Sonderbehandlung lehnt er ab. „Ich bin ein Mensch, der gerne selbst seine Aufgaben löst“, sagt er selbstbewusst. „Meine Motivation ist es, Grenzen auszutesten. Es gibt immer einen Weg.“ Vermutlich hätte keiner gedacht, er könnte im Rollstuhl Paletten umherfahren. Bis Denny Ertel sich den Hubwagen schnappte und es einfach getan hat. „Ich habe auch schon alleine die Lieferung im Zentrallager abgeladen, weil Not am Mann war“, erzählt er. Der 40-Jährige mag es, seine Mitmenschen damit zu überraschen, was mit seiner Behinderung alles möglich ist. Und wenn er doch mal nicht weiterkommt, weiß er: Auf seine Kolleginnen und Kollegen ist Verlass. „Wenn man miteinander redet, geht alles.“ So wurde beispielsweise die Theke an der Warenausgabe abgesenkt und vor Jahren schon ein Treppenlift in den Markt eingebaut, damit er zum Pausenraum kommt. „Da muss mir nur jemand den Rollstuhl hinterhertragen. Das ist aber nie ein Problem.“

Und wie reagieren die Kunden auf ihn? Denny Ertel denkt kurz nach: „Anfangs gab es hier und da sicherlich ein paar Berührungsängste. Die verfliegen aber meistens schnell, wenn die Kunden merken, dass sie von mir so freundlich beraten werden wie von jedem anderen auch.“ Gerade wenn Rollstuhlfahrer den Markt besuchen, sei er erster Ansprechpartner. Auch bei der Beratung von gehörlosen Kunden unterstützt Denny Ertel, der die Gebärdensprache beherrscht. „Ich freue mich, wenn ich helfen kann. Klar gibt es Tage, an denen man nicht so gut drauf ist. Doch wichtig ist, dass sich die Kunden bei uns immer wohlfühlen.“

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Zur Person

Denny Ertel, 40, arbeitet seit elf Jahren bei HORNBACH. Der gebürtige Hamburger ist Fan der Serie „Game of Thrones“, hört Rammstein, mag Autos und besitzt eine Dauerkarte vom HSV. Seine große Leidenschaft ist Rollstuhlbasketball.

Spieler, Trainer, Schiedsrichter: Denny Ertels Herz schlägt für den Rollstuhlbasketball. Sein Team, der BG Hamburg West, spielt in der Oberliga. „Wir sind eine bunte Mischung. Bei uns spielen Behinderte und Nichtbehinderte, Jung und Alt, Migranten und Deutsche, Männer und Frauen. Alle gemeinsam, wir sind für jeden offen.“ Im Alter von zehn Jahren fing er an, Rollstuhlbasketball zu spielen – unter anderem beim HSV. Schwimmen, Leichtathletik und Tischtennis probierte er gleichzeitig auch aus. Doch mit 15 Jahren musste sich Denny Ertel für einen Sport entscheiden. Ausbildung plus vier verschiedene Sportarten waren dann doch zu viel. Seine Wahl fiel auf Basketball. „Weil das ein Team- und kein Einzelsport ist.“ Vor sechs Jahren machte er seinen Trainerschein und gründete eine eigene Abteilung für Rollstuhlbasketball bei der BG Hamburg West. „Ich fand es wichtig, dass es neben dem HSV einen zweiten Verein in Hamburg gibt, der diesen Sport anbietet. Damit die Menschen, die gerne Basketball spielen, eine Wahl haben.“ Für Denny Ertel bedeutet Rollstuhlbasketball pure Leidenschaft und Emotion. „Es ist auch ein sehr familiärer und fairer Sport. Das respektvolle Miteinander wird von allen Beteiligten gelebt. Gewalt gibt es bei uns nicht. Nach dem Spiel gibt man sich immer die Hand.“

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