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Ein Apell an das Bauchgefühl

Ein Apell an das Bauchgefühl

HORNBACH setzt bei der Vermeidung von Korruption und Bestechung auf das hauseigene „HORNBACH-Fundament“ – und ein Gespür der Mitarbeiter für richtig und falsch. Wichtig dabei: Die Welt ist eben nicht Schwarz und Weiß.

Arne Schaum, Leiter Konzernrevision und Chief Compliance Officer der HORNBACH Baumarkt AG.

Lesezeit 5 min.

Seit fünfeinhalb Jahren bin ich bei HORNBACH verantwortlich für Compliance. Mein erster Schritt war damals, mir anzusehen, was es dazu bereits gab und wo wir noch Luft nach oben hatten. Für uns war wichtig, dass wir einen Ansatz verfolgen, der zur HORNBACH-Mentalität passt, also einen, der Mitarbeiter einbindet statt autoritäre Strukturen zu schaffen. Hierzu sieben Punkte.

1. Unser Ansatz

Was heißt eigentlich Compliance und was bedeutet Anti-Korruption? Ganz grundsätzlich kann ich mit dem Wort „Anti-Korruption“ relativ wenig anfangen. Damit wird doch suggeriert, dass alle potentiell korrupt sind und dringend etwas gegen die Korruption getan werden müsste. Unsere Betrachtungsweise ist genau umgekehrt. Wir fragen uns, wie wir die Mitarbeiter unterstützen können, damit sie nicht in verfängliche Situationen kommen. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Kolleginnen und Kollegen verantwortlich handeln. Für sich selbst und für HORNBACH.

Um diese Verantwortlichkeit zu unterstützen, haben wir in den „Verhaltensgrundsätzen Annehmen und Gewähren von Zuwendungen“ praktikable Leitsätze formuliert.

Denn, was wir auf keinen Fall wollten, war, irgendwelche Regeln von anderen anzupassen, ein HORNBACH-Logo darauf anzubringen und zu sagen: „Das sind die Regeln – haltet Euch daran!“

2. Unsere Leitsätze

Die Welt besteht nicht nur aus Schwarz und Weiß, sondern meistens aus Grautönen. Deshalb braucht es praktikable Leitsätze, an denen sich jeder Einzelne orientieren kann. Basis für sämtliche Compliance-Aktivitäten bei HORNBACH ist das „HORNBACH-Fundament“. Der Leitsatz „Ehrlichkeit und Zusammenhalt sind das Grundgerüst unserer Gemeinschaft“ spielt dabei die zentrale Rolle. Auf diesem haben wir die „HORNBACH-Werte“ und die Verhaltensgrundsätze aufgebaut, die als Leitplanken dienen und bei der Orientierung helfen sollen.

In den HORNBACH-Werten schreiben wir zum Thema „Integres Verhalten“:
„Geschäftliche Entscheidungen werden bei HORNBACH frei von privaten Interessen und persönlichen Vorteilen getroffen. Wir dulden keine Korruption. Darüber hinaus erwarten wir, dass Interessenkonflikte – und auch schon ein Anschein derselben -vermieden werden. Interessenkonflikte können bereits dann entstehen, wenn eine Geschäftsbeziehung mit einem anderen Unternehmen unterhalten wird, an dem selbst ein finanzielles Interesse besteht oder ein Verwandter oder Freund direkt oder indirekt wesentlich beteiligt ist.“

Ergänzt werden diese grundlegenden Bedingungen dann noch durch Konkretisierungen wie „Dies bedeutet für uns, dass das Anbahnen oder Unterhalten von Geschäftsbeziehungen ausschließlich sachliche Kriterien wie „Qualität“, „Preis“ oder „Lieferqualität“ ausschlaggebend sind“. Oder auch der Appell an alle Führungskräfte: „Dies bedeutet für uns, dass durch das eigene Verhalten vorgelebt wird, dass Korruption weder geduldet noch unterstützt wird“.

3. Die Eigenverantwortung aller Mitarbeiter

Die Grenzen zwischen zulässigen und unzulässigen Zuwendungen sind fließend, wodurch bei den Kollegen sehr oft große Unsicherheit besteht, ob – beispielsweise – eine Einladung angenommen werden kann oder nicht. Deswegen haben wir mit den in den Verhaltensgrundsätzen formulierten Leitsätzen deutlich gemacht, was HORNBACH von seinen Mitarbeitern und Führungskräften erwartet.

Damit wollen wir zum einen erreichen, dass es konzernweit einen klar formulierten Rahmen gibt, an dem sich alle gleichermaßen orientieren können. Zum zweiten möchten wir, dass sich unsere Kolleginnen und Kollegen bei Fragen an ihre Führungskraft wenden und um eine Einschätzung bitten, wenn sie unsicher sind, ob – um bei dem Beispiel zu bleiben – eine Einladung angenommen werden kann. Gerade der zweite Aspekt ist uns sehr wichtig. Denn Korruption spielt sich immer im Verborgenen ab. Wenn aber offen über Einladungen oder auch angebotene Geschenke gesprochen wird, dann ist die größte Gefahr schon gebannt.

4. Unsere Fragestellungen

In den Leitsätzen definieren wir zwar einerseits ganz klar, dass Geschenke als Geste der Höflichkeit nur bis zu einem „Richtwert“ von 10 Euro angenommen werden dürfen. Gleichzeitig appellieren wir zum Beispiel auch an das „Bauchgefühl“ unserer Kolleginnen und Kollegen und unterstützen sie mit konkreten Fragestellungen, die sie sich im Zweifel selbst beantworten müssen: Könnte ich meiner Führungskraft den Sachverhalt plausibel erklären? Entspricht mein Verhalten den HORNBACH-Werten? Wie würde mein privates Umfeld reagieren, wenn ich diesem über den Sachverhalt berichte? Oder, wie wäre das Echo in der Öffentlichkeit, wenn diese von dem Sachverhalt erfahren würde?

5. Unser Vorgehen im Verdachtsfall

Natürlich wird jeder Fall gründlich geprüft und wir sprechen mit den Beteiligten. Sollte sich ein Verdacht bestätigen, sind wir bei HORNBACH aber rigoros. Neben arbeitsrechtlichen Maßnahmen werden in der Regel auch strafrechtliche Konsequenzen gezogen. HORNBACH hat eine eindeutige Haltung zum Thema und die transportieren wir nach innen wie auch nach außen.

6. Unsere Basis-Maßnahmen

Es gibt einige grundsätzliche Stellschrauben, mit denen sich bereits die Gefahr vermeiden lässt, dass es zu so etwas wie Korruption kommen könnte. Ich bin etwa ein großer Freund von einer klaren Funktionstrennung und dass es mindestens ein Vier-Augen-Prinzip gibt. Ein Beispiel: Wenn ein einziger Mitarbeiter sämtliche Prozessschritte in der Hand hat – von der Anbahnung der Geschäftsbeziehung und die Vergabeentscheidung, über die Bestellung der Ware und die Buchung des Wareneingangs bis hin zur Freigabe der Rechnung – dann ist das ein Punkt, an dem ich ganz klar sagen muss: Hier liegen Umstände vor, die problematisch werden könnten.

7. Woran machen wir fest, ob unsere Bemühungen auf fruchtbaren Boden fallen?

An der Transparenz. Daran, dass in unseren Bau- und Gartenmärkten und Büros überhaupt über das Thema gesprochen wird. Und daran, dass die Kolleginnen und Kollegen im Zweifelsfall zu seinem Chef geht und einfach fragt, ob er diese oder jene Einladung annehmen darf. Wir erleben zum Beispiel immer Mal wieder, dass jemand von Lieferanten oder Dienstleistern auf Messen oder zu Seminaren eingeladen wird. Wir nehmen dann die Verhaltensgrundsätze zu Rate, schauen uns beispielsweise gemeinsam die Agenda an und prüfen, ob die Sachthemen im Vordergrund stehen. Dann spricht natürlich nichts dagegen, eine Einladung auch anzunehmen.

Weihnachtsspenden

Bei HORNBACH hat sich ein festes Weihnachts-Ritual etabliert: Alljährlich bittet das Unternehmen seine Lieferanten auf Geschenke zu verzichten und stattdessen an die hauseigene Stiftung für „Menschen in Not“ zu spenden.

Den Startschuss gibt stets ein Schreiben an alle Lieferanten im November. Die entsprechenden Geldeingänge werden anschließend von einem mehrköpfigen Team erfasst, das auch Spendenbescheinigungen ausstellt und Dankesschreiben verschickt.

„Wir freuen uns natürlich über jeden Euro, den wir für gute Zwecke einsetzen können. Erstaunlich ist, dass wir sogar Spenden von Lieferanten erhalten, die in Fernost sitzen“, sagt etwa Petra Spilker, die seit über 10 Jahren gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen das Projekt plant, steuert und durchführt.

Mit der hauseigenen Stiftung unterstützt HORNBACH Menschen, die sich ohne eigenes Verschulden in Notlagen wiederfinden. Dank dem Grundgedanken „Spende statt Geschenke“ kommt dabei alljährlich eine fünfstellige Summe zusammen, die sofort eingesetzt werden kann.

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